Zur Geschichte der Schwabenkinder

„Wie arm sein mir, als Kinder müssen die Lechtaler schon das Ausland suchen, eigentlich ist das Ausland unser Vaterland, da es nur uns erhält.“
Anton Falger (Chronik, Elbigenalp 1845)

Das Lechtal war bis in die 50er-Jahre unseres Jahrhunderts wohl eines der ärmsten Gebiete des Landes Tirol.

Die Bevölkerung war allein auf den Ertrag der kargen Landwirtschaft angewiesen, der aber für kinderreiche Familien nicht ausreichend war. Mangels anderer Erwerbsquellen blieb nichts anderes übrig, als Möglichkeiten zu suchen, die das Überleben in der Heimat erleichterten. So blieb den Männern, besonders aber vielen Kindern, keine Wahl, als durch einen geringen Verdienst im Ausland mitzuhelfen, den Rest der Familie zu ernähren. Die Kinder zogen meist Mitte März, spätestens

jedoch Anfang April in größeren Gruppen ins Schwabenland, wo sie auf den Gesindemärkten zum Viehhüten verdingt wurden. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren es jährlich etwa 100 „unnütze Esser“ aus dem Lechtal, die dieses traurige Los erdulden mussten. Obwohl es, besonders durch verschärfte Schulgesetze ab etwa 1910, theoretisch keine Schwabenkinder mehr geben konnte, sind trotzdem noch solche aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg bekannt.

(Theo Bader, Elbigenalp, Chronist 1996) 

Die Autoren Claudia Lang zum Stück

Das Thema „Schwabenkinder“ berührt mich schon seit meiner
Kindheit, da meine Mutter, eines der letzten Schwabenkinder,
mir immer wieder von dieser Zeit erzählte.
Das Stück erzählt die Geschichte einer Lechtaler Großfamilie, die exemplarisch für alle notleidenden Familien in ganz Tirol um 1900 steht. Das Lechtal, das seine Bewohner nicht ernähren kann, zwingt die verzweifelnden Eltern dazu, ihre Kinder Jahr für Jahr zur

Kinderarbeit in die Fremde zu schicken. Es wird von Staat und Kirche schweigend toleriert, dass Kinder im Ausland ohne die liebende Fürsorge der Mutter aufwachsen. Die Handlung gipfelt im

Gewissenskonflikt einer Mutter, welche ein Adoptionsansuchen für ihr Kind aus dem Schwabenland erhält. Von der Entscheidung, entweder ihr Kind freizugeben und ihm damit Wohlstand und eine gute Schulbildung zukommen zu lassen, oder es zurück in die Armut zu holen, erzählt das Stück „die Schwabenkinder“.

Es spiegelt in Einzelschicksalen eine Zeit, in der Not und Entbehrung die immer wiederkehrende Grausamkeit der Umstände und der menschlichen Unzulänglichkeiten aufzeigt.

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